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Die Kleinbahn im Höhenpark Killesberg
von Torsten Brecht
Die Anfänge von 15-Zoll Parkeisenbahnen gehen nach England zurück, dort ließen wohlhabende Adelige in ihren ausgedehnten Parkanlagen Modelleisenbahnen im Maßstab 1:3
errichten und betrieben sie zum Vergnügen für die ganze Familie. Schnell schwappte dieser Boom von der Insel auf das Festland über und 1925 entwickelte die Münchner Lokbauschmiede Krauss & Co zusammen mit der
Leipziger Bahnbaufirma Erich Brangsch, nach Plänen des Oberingenieurs Roland Martens die erste deutsche Einheits-Liliputlokomotive mit der Spurweite 381mm und der Achsfolge 2C1, angelehnt an die damalige neue
Einheitslokomotiven der Deutschen Reichsbahn. Diese Liliputlokomotiven wurden das erste Mal bei der Deutschen Verkehrsausstellung in München (DEAV) präsentiert und chauffierten die Besucher in ihren offenen
Wagenzügen durch das Ausstellungsgelände. Die Geschäftsleitung der Firma Brangsch sah in diesen Bahnen einen neuen Geschäftszweig und betrieb in den Folgejahren mit eigenem großen Lokomotiv- und Wagenpark viele
Ausstellungs- und Parkeisenbahnen in Deutschland und Europa auf eigene Rechnung.
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Stuttgart ist eine der wenigen Städte, die auf eine lange Tradition von Parkeisenbahnen, die früher Liliputbahnen genannt wurden, zurückblicken kann. Die
Anfänge gehen in das Jahr 1928 zurück, da lieferte die Firma Krauss & Co, aus München, heute besser bekannt als Krauss-Maffei, eine gebrauchte B-gekuppelte Schlepptenderlok nach Stuttgart. Eingesetzt
wurde sie im Affenparadies der Königs-Tierzucht, das 1928 als kleiner privater Tierpark mit Affen, Seelöwen und Bären an der heutigen Straße “Am Kochenhof” auf Höhe des Parkhauses Rote Wand entstand. Von
dieser Bahn ist leider sehr wenig bekannt. Auf einem alten Werbeplakat ist vermerkt: “Liliputbahn im Affenparadies Stuttgart”, das diesen B-Kuppler zeigt. Die Bahn war eine der Attraktionen dieses Parks,
sie erfreute vor allem Kinder, wenn sie ihre Runden drehte. Im Jahre 1933 wurde der Kleinzoo geschlossen und die Bahn zog in das Waldheim Raichberg im Stuttgarter Stadtteil Gaisburg um. Dort soll sie
noch einige Jahre in Betrieb gestanden sein, ehe sie 1939 für die Vorbereitungen zur Reichsgartenschau wieder auf den Killesberg gelangte.
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Reichsgartenschau Stuttgart 1939 bei der Freilichtbühne
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Der eigentliche Startschuss für eine Parkeisenbahn im Höhenpark Killesberg fiel am 22. April 1939 mit der Eröffnung der Reichsgartenschau. Bei dieser
Ausstellung wurde erstmals ein 3,5 km langer Rundkurs erbaut, der mit dem heutigen fast keine Ähnlichkeit mehr hat. Der eingleisige Bahnhof entstand an der heutigen Messehalle 1-3, dann führte die
Strecke in einen Tunnel unter der heutigen “Sarotti-Treppe” hindurch in das Akazienwäldchen zwischen Weg und Freilichtbühne. Die Lokomotiven und Wagen wurden von der Leipziger Firma Brangsch gemietet und
durch die Messegesellschaft betrieben. Diese Parkbahn wurde schnell zum Publikumsliebling der Besucher. Wie auch heute, trugen diese Lokomotiven Namen, sie hörten auf “Ha.no!” und “Götz von
Berlichingen”. Die Werkstatt der Kleinbahn wurde als offene Halle in der Nähe der heutigen Abstellhalle errichtet.
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Reichsgartenschau Stuttgart 1939 oberhalb Tal der Rosen
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Das vorzeitige Ende der Reichsgartenschau kam am Morgen des 1. Septembers 1939 mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, gleichzeitig wurde auch
der Betrieb der Parkeisenbahn eingestellt. Die Lokomotiven wurden an den Vermieter zurückgegeben und zum Schutz vor Kriegseinwirkungen in einem Steinbruch eingelagert. Der Wagenpark verblieb auf dem
Killesberg und wurde in der Abstellhalle abgestellt. Im Sommer 1940 und 1941 wurden nochmals Lokomotiven der Firma Brangsch angemietet und verkehrten in den Sommermonaten.
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Reichsgartenschau Stuttgart 1939 Seenplatte
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In der Phase des Wiederaufbaus bewarb sich die Stadt Stuttgart erfolgreich um die Ausrichtung der 1. Deutschen Gartenschau. Diese Ausstellung wurde am 3. Juni
1950 durch Bundespräsident Theodor Heuss auf dem Killesberg eröffnet. Als Ausstellungsgelände wurde auf die gleiche Anlage, auf der 1939 die Reichsgartenschau stattfand, zurückgegriffen. Schienen und Personenwagen
der Kleinbahn waren noch vorhanden, aber leider keine Lokomotiven mehr. Die Stuttgarter Messegesellschaft bestellte bei Krauss-Maffei im Frühjahr 1950 zwei Exemplare der bewährten Martens-Dampflokomotiven
(50 PS) und bei der Mosbacher Lokfabrik Gmeinder eine Diesellokomotive (35 PS). Die Diesellok wurde am 27. Mai, die beiden Schlepptenderlokomotiven am 30. Mai bzw. 30. Juni 1950
ausgeliefert. Sie wurden auf die Namen Blitzschwoab, Tazzelwurm und Springerle getauft, die durch einen Namenswettbewerb ermittelt wurden. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Bundesgartenschau wurden auch die neue
Seilschwebebahn und der Killesberg-Turm dem Betrieb übergeben. In den Folgejahren verkehrte die Kleinbahn in den Sommermonaten (April-Oktober) täglich.
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Die größte bauliche Veränderung nach dem 2. Weltkrieg erfuhr die Killesberg-Kleinbahn im Jahr 1955, als die neue Großhalle (Sägehalle) errichtet wurde. Für dieses
Bauvorhaben mußte der Bahnhof an die “Große Wasserspiele” verlegt werden. Dadurch wurde die Streckenführung durch den Tunnel unter der Sarotti-Treppe aufgegeben und die heutige Linienführung geschaffen, die eine
derzeitige Länge von 2,3 km hat. Zur Bundesgartenschau 1961, die im Höhenpark Killesberg und in den Schloßgartenanlagen statt fand, bekam die Kleinbahn ihr heutiges Abstell- und Werkstattgebäude, in dem fast
alle Unterhalts- und Reparaturarbeiten erledigt werden. Neben einer Wagenhalle mit Kran und Untersuchungsgrube steht dem Personal eine gut ausgerüstete Werkstatt mit modernen Werkzeugmaschinen und Achssenkanlage zur
Untersuchung der Lokomotiven zur Verfügung. Spezialarbeiten an Kessel und Lager wurden früher an die Werkstätten der Stuttgarter Straßenbahnen AG abgegeben. Die deutsche Wiedervereinigung 1989 öffnete neue Wege für
den Unterhalt dieser Teile. Dank der Dampflokspezialwerkstätten, die es in den neuen Bundesländern noch gibt, konnten die Kessel für die beiden Dampflokomotiven, die ein Fassungsvermögen von 700 Liter Wasser haben,
in den letzten Jahren neu gebaut werden. Neben diesen Arbeiten wurden im thüringischen Meiningen auch die Radreifen der Loks runderneuert.
Im Vorfeld der “Internationalen Gartenschau 1993 (IGA)” wurde eine weitere Diesellok (48 PS) für die Killesberg-Kleinbahn bei der Firma DIEMA in Diepholz beschafft.
Diese Lok wurde auf den Namen “Schwoabapfeil” getauft und im April 1992 an die Kleinbahn ausgeliefert. Im selben Jahr wurde ebenfalls eine neue Signalanlage mit Streckenblock installiert, die den Zugverkehr bei
diesem Großereignis regeln sollte. Während der IGA wurden mit drei Zügen insgesamt 300.000 Fahrgäste beförderte.
In den Folgejahren geriet die Killesberg-Kleinbahn in turbulentes Fahrwasser. Die Messeleitung erwägte 1994/95 den Verkauf der gesamten Eisenbahn. Es lagen konkrete
Angebote von englischen Museumskleinbahnen vor. Buchstäblich in letzter Minute wurde die Bahn und ihre gesamte Anlage zum technisch-historischen Kulturdenkmal erklärt und der Förderverein “Freunde und Förderer der
Killesberg Kleinbahn e. V.” gegründet. Seitdem unterstützt der Verein den Betrieb der Kleinbahn. Im Jahr 2002 konnte aus diesen Mitteln ein Personenwagen für Rollstuhlfahrer umgebaut werden, ferner wurde
einheitliche Dienstkleidung für das Bahnpersonal beschafft, eine DVD über die Kleinbahn erstellt und eine Postkartenserie aufgelegt. Eine Homepage über die Kleinbahn im Höhenpark Killesberg, die man unter
www.killesberg-kleinbahn.de erreicht, wird von Kleinbahnfreund Torsten Brecht ehrenamtlich betreut.
Am 1. Januar 2007 geht eine kleine Ära auf dem Killesberg zu Ende. Die bis weit über die Region hinaus bekannte und beliebte Kleinbahn wird zum Jahreswechsel einen neuen
Eigentümer erhalten. Nach 56 Jahren gehen die vier Liliput-Lokomotiven samt Depot und Gleiskörper in die Obhut des Garten- und Friedhofsamts der Landeshauptstadt Stuttgart über, das auch für die Pflege des
Höhenparks Killesberg zuständig ist. Grund ist der Umzug der “Alten” Messe Stuttgart im kommenden Jahr vom Killesberg auf das Gelände der Neuen Messe Stuttgart am Flughafen. Nach einem Beschluss des Stuttgarter
Gemeinderats ist es daher sinnvoll, dass die Betreiber der denkmalgeschützten Kleinbahn vor Ort sind und da bot sich das Garten- und Friedhofsamt als Betreuer des Killesberg-Parks gerade zu an.
Durch diesen Schritt ist der weitere Fortbestand der Kleinbahn für die nächsten Jahre gesichert. Die Museums-Kleinbahn verkehrt in der Regel täglich von Mitte April
(Karfreitag) bis Anfang Oktober (3. Oktober). Die Dampflokomotiven werden nur an Wochenenden und Feiertagen eingeheizt, sofern das Wetter mitspielt. Neben den beiden Dampfloks und den beiden Diesellokomotiven
besteht der Wagenpark aus 14 überdachten Personenwagen und mehreren kleinen Arbeitswagen.
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Deutsche Gartenschau Stuttgart Bahnhof der Kleinbahn 1950
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Zur Reichsgartenschau 1939 im Höhenpark Killesberg wurde die Kleinbahnstrecke völlig neu aufgebaut. Dabei wurde sogar ein kurzer Tunnel eingebaut, der heute noch existiert. Er dient
derzeit als Lagerraum für die Landschaftsgärtner.
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