|
Die Parkbahn auf dem Stuttgarter Killesberg: Seit über 70 Jahren beliebt – Eine von vier in Deutschland - Vorbild für Englands Eisenbahnnarren
Schon Generationen von Stuttgartern sind mit ihr aufgewachsen: mit der Parkeisenbahn auf dem Killesberg, dem wohl populärsten Landschaftspark der schwäbischen
Landeshauptstadt. Seit 1939 gehört die Killesbergbahn zu den städtischen Attraktionen – und seit Jahresbeginn 2011 gehört sie zur Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Zwar bleibt die Stadt Stuttgart weiterhin
Eigentümerin der originellen Mitfahrgartenbahn, aber die SSB mit ihrer bewährten Organisation haben nun die Betriebsführung übernommen. Somit gehören zum Fahrpark der SSB nun auch zwei Dampf- und zwei
Diesellokomotiven, und in ihren Reihen steht nun ein echter Dampflokführer, der Schlosser Hans-Peter Makein.
Während der Maschinist in Personalunion Lokführer und Heizer gleichzeitig “spielt”, fährt auf jedem Zug hinten ein Schaffner mit, der seine “Schäfchen” während der Fahrt
im Blick behält. Als dritten Mann – oder Frau – gibt es einen Fahrkartenverkäufer, der in seinem Verkaufshäuschen am Parkbahnhof amtiert. Bei starkem Andrang an Wochenenden werden zwei Züge eingesetzt. Zum einen
hauptamtlichen Lokführer kommen etliche Teilzeitkräfte, darunter auch weitere geprüfte Lokführer, die sonst bei der Deutschen Bahn AG oder Privatbahnen Dienst tun, sowie Mitarbeiter der SSB aus deren
Fahrzeugwerkstätten.
Werktags und bei weniger günstigem Wetter wird mit Diesel gefahren, sonn- und feiertags und bei trockenem Wetter mit Dampf. Wenn es stark regnet, findet mangels Publikum
selbstverständlich gar kein Betrieb statt. Sämtliche Fahrzeuge werden in einer Wagenhalle nahe dem Scheitelpunkt der Strecke an der Lenbachstraße untergebracht – nun sozusagen der kleinste Betriebshof der SSB. Dort
liegt auch die Werkstatt, in der bisher alle üblichen laufenden Arbeiten an den Betriebsmitteln durchgeführt werden, und zwar von Lokführer Makein und seinen Helfern. Für umfangreiche Reparaturen und Überholungen
steht die Hauptwerkstatt der SSB in Stuttgart-Möhringen zur Verfügung. Wie es sich für einen gut geführten Bahnbetrieb gehört, hat die Killesbergbahn auch einen Betriebsleiter, den Ingenieur Thomas Heim, der sich
ansonsten im Auftrag der Stadt und der SSB vor allem um die Gleisanlagen der städtischen Hafenbahn in Stuttgart Ost kümmert.
Gerade weil die Killesbergbahn auf einer Spurweite von nur 38 Zentimetern fährt, sind Besucher des gärtnerisch prachtvoll angelegten Höhenparks Killesberg oft überrascht
über die beiden langgestreckten, rund acht Meter langen Dampflokomotiven. Denn es gibt nur in Berlin, Leipzig und Dresden nochmals drei derartige Bahnen derselben Spur und mit denselben Proportionen. Die
Killesbergbahn ist jedoch die älteste von ihnen, denn die drei Betriebe in der vormaligen DDR wurden nach dem Krieg als so genannte Pioniereisenbahnen angelegt. Bei ihnen ging es um die frühzeitige Erziehung
Jugendlicher zu Eisenbahnern. Demgegenüber ist die Killesbergbahn schon immer eine echte Vergnügungsbahn. Die noch gelegentlich zu hörende Bezeichnung Kleinbahn für die Killesberg-Parkbahn ist missverständlich, denn
die Bezeichnung Kleinbahn steht im Verkehrswesen als Fachbegriff für die lokalen öffentlichen Eisenbahnen in Preußen, also etwas ziemlich anderes.
Außer den drei anderen Liliputbahnen in Deutschland existiert eine weitere im Wiener Prater, zwei in England und eine in Neu Delhi in Indien. Die populärste davon ist die
Romney, Hythe and Dymchurch Railway an Englands Südostküste. Sie dient nicht nur als Touristenattraktion, sondern auch als reguläres Transportmittel für Berufspendler und Schüler. Man stelle sich vor: Mit der
Killesbergbahn in die Schule ... Das Stichwort England erklärt auch die auf den ersten Blick eigenartige Spurweite der Killesbergbahn: Die 38 Zentimeter sind offiziell genau 381 Millimeter, somit 15 britische Zoll.
Denn auf dieser Spur tuckerten schon seit den 1870er Jahren britische Adlige auf privaten Schmalspurbähnchen rein zur persönlichen Freude über ihre Landsitze – ein liebenswerter “Spleen”.
Beim Killesberg selbst handelt es sich ursprünglich um ein Steinbruchgelände. Zur Gartenschau 1939 wurde es landschaftsgärtnerisch modelliert und zum Erholungspark
umgestaltet. Die liebevolle gärtnerische Gestaltung, etwa mit dem “Tal der Rosen”, Wasserspiele, eine Freilichtbühne und eine Milchbar machten den Killesberg sofort zum gefragten Erholungsort der Stuttgarter. Nach
dem Krieg fanden dort die Bundesgartenschauen von 1950 und 1961 statt, 1993 folgte die Internationale Gartenbauausstellung IGA. Aus jenem Anlass schuf die Stadt eine fast durchgehende Verknüpfung des Höhenparks
Killesberg, des so genannten Leibfriedschen Gartens in nordöstlicher Richtung zum Landschaftspark Rosenstein in Stuttgart Nord. An ihn wieder schließt der Stuttgarter Schlossgarten an, die größte Grünzone nahe der
Innenstadt. Auf diese Art entstand das so genannte Grüne U, welches das Stadtzentrum im Halbkreis großflächig umschließt. Um diesen relativ zentral gelegenen Grüngürtel wird Stuttgart von vielen Städten beneidet.
Den Liebling vieler Bürger und buchstäblich den Höhepunkt auf dem Killesberg bildet der 43 Meter hohe, sehr filigrane Aussichtsturm, den der Verschönerungsverein der Stadt Stuttgart im Jahr 2001 stiftete.
Killesbergbahn: Betrieb ab 22. April bis 3. Oktober bei schönem Wetter, werktags (14 – 18 Uhr) mit Diesellok, sonn- und feiertags und in den Schulferien mit Dampf (10
– 19 Uhr). Weitere Informationen: www.ssb-ag.de, www.killesbergbahn.de
Quelle: Pressemitteilung SSB AG
|
|